TI-Messenger
Wissenswertes

TI-Messenger: Die Zukunft der Kommunikation in der Pflege.

15.01.2026|5 Minuten
Technologie & Standards

Der TI-Messenger soll Echtzeitkommunikation innerhalb der Telematikinfrastruktur ermöglichen, als Ergänzung zum asynchronen KIM-Dienst. Dieser Artikel erklärt den aktuellen Entwicklungsstand und was der TI-Messenger für Pflegeeinrichtungen bedeuten wird.

Neben dem etablierten E-Mail-Dienst (Kommunikation im Medizinwesen) arbeitet die an einem zweiten Kommunikationsdienst innerhalb der (TI): dem (TIM). Dieser Dienst soll Echtzeitkommunikation im Gesundheitswesen ermöglichen, vergleichbar mit bekannten Messenger-Anwendungen, jedoch auf Basis einer sicheren, interoperablen Infrastruktur. Für Pflegeeinrichtungen könnte der TI-Messenger die tägliche Abstimmung mit Arztpraxen, Apotheken und anderen Leistungserbringern grundlegend verändern. Dieser Artikel beleuchtet, was der TI-Messenger ist, wie er sich von KIM unterscheidet und was Pflegeeinrichtungen heute bereits wissen sollten.

Was ist der TI-Messenger?

Der TI-Messenger ist ein Instant-Messaging-Dienst, der speziell für die sichere Kommunikation zwischen Leistungserbringern im deutschen Gesundheitswesen konzipiert wurde. Im Gegensatz zu kommerziellen Messengern wie WhatsApp oder Signal basiert er auf dem offenen Matrix-Protokoll: einem dezentralen, interoperablen Kommunikationsstandard, der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nativ unterstützt.

Die gematik hat die Spezifikation des TI-Messengers veröffentlicht und definiert damit die technischen Anforderungen, die Anbieter erfüllen müssen. Zu den zentralen Eigenschaften gehören:

  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für alle Nachrichten. Dritte, einschließlich der Anbieter selbst, können die Inhalte nicht mitlesen
  • Authentifizierung über die TI: Teilnehmer werden über ihre institutionelle Identität (z. B. ) verifiziert
  • : Verschiedene Anbieter können untereinander kommunizieren. Eine Einrichtung ist nicht an einen einzigen Dienst gebunden
  • Echtzeitkommunikation mit Textnachrichten, Gruppenchats und perspektivisch auch Dateiübertragung

Durch die Nutzung des Matrix-Protokolls setzt die gematik bewusst auf einen offenen Standard. Dies soll verhindern, dass einzelne Anbieter den Markt dominieren, und gleichzeitig sicherstellen, dass die Kommunikation datenschutzkonform nach deutschen und europäischen Vorgaben erfolgt.

TI-Messenger vs. KIM: Die Unterschiede

Eine häufige Frage lautet: Warum braucht es den TI-Messenger, wenn es bereits KIM gibt? Die Antwort liegt in den unterschiedlichen Kommunikationsmodellen. KIM funktioniert nach dem Prinzip einer sicheren E-Mail: Nachrichten werden asynchron versendet und empfangen. Der TI-Messenger hingegen ist für synchrone, dialogorientierte Kommunikation konzipiert. Eine ausführliche Einführung in KIM bietet der Artikel KIM in der Pflege einrichten.

Die wesentlichen Unterschiede im Überblick:

  • Kommunikationsart: KIM ist asynchron (E-Mail-Prinzip), der TI-Messenger ist synchron (Chat-Prinzip)
  • Typische Anwendungsfälle: KIM eignet sich für strukturierte Dokumente wie Arztbriefe, Befunde oder Verordnungen. Der TI-Messenger ist für schnelle Rückfragen, Abstimmungen und Kurznachrichten gedacht
  • Nachrichtenformat: KIM überträgt strukturierte Nachrichten mit Anhängen, der TI-Messenger setzt auf kurze Textnachrichten und Gruppenchats
  • Verfügbarkeit: KIM ist bereits flächendeckend verfügbar und in vielen Einrichtungen im Einsatz. Der TI-Messenger befindet sich noch in der Einführungsphase

Wichtig: Der TI-Messenger ersetzt KIM nicht. Beide Dienste ergänzen sich. Während KIM für den formalen, dokumentenbasierten Austausch unverzichtbar bleibt, soll der TI-Messenger die informelle, schnelle Kommunikation abdecken, die heute oft noch über unsichere Kanäle wie Telefon, Fax oder private Messenger-Dienste läuft.

Aktueller Entwicklungsstand

Der TI-Messenger hat seit seiner ersten Spezifikation durch die gematik mehrere Entwicklungsphasen durchlaufen. Es ist wichtig, den aktuellen Stand realistisch einzuordnen:

  • Die Spezifikation (TI-Messenger 1.0) wurde veröffentlicht und definiert die technischen Grundlagen für Anbieter
  • Erste Zulassungsverfahren für TI-Messenger-Anbieter wurden gestartet, und einzelne Produkte befinden sich in Pilotphasen
  • Die initiale Zielgruppe waren Arztpraxen und Krankenhäuser. Pflegeeinrichtungen sind in der Rollout-Planung vorgesehen, aber noch nicht primärer Fokus
  • Die flächendeckende Verfügbarkeit hat sich gegenüber den ursprünglichen Planungen verzögert. Ein Muster, das bei TI-Diensten nicht ungewöhnlich ist

Der Zeitplan für die Verfügbarkeit in der Pflege ist derzeit noch nicht verbindlich festgelegt. Die gematik arbeitet an der schrittweisen Ausweitung auf weitere Leistungserbringergruppen, einschließlich der Pflege. Es ist jedoch ratsam, keine konkreten Termine als gesichert zu betrachten, bis offizielle Ankündigungen vorliegen.

Ein weiterer relevanter Aspekt: Die gematik entwickelt parallel die TI 2.0, eine grundlegende Modernisierung der Telematikinfrastruktur. Der TI-Messenger ist als Teil dieser neuen Architektur konzipiert. Das bedeutet einerseits eine zukunftssichere technische Basis, andererseits aber auch Abhängigkeiten von einem größeren Transformationsprojekt.

Was bedeutet der TI-Messenger für Pflegeeinrichtungen?

Auch wenn der TI-Messenger für Pflegeeinrichtungen noch nicht unmittelbar verfügbar ist, lohnt sich ein Blick auf die möglichen Auswirkungen. Die tägliche Kommunikation in der Pflege ist geprägt von kurzfristigen Abstimmungen, etwa bei Medikamentenänderungen, Rückfragen an Arztpraxen oder der Koordination mit Therapeuten und Apotheken.

Heute laufen viele dieser Abstimmungen über Telefon (mit häufigen Warteschleifen), Fax (ohne Empfangsbestätigung) oder im schlimmsten Fall über private Messenger-Dienste, die datenschutzrechtlich problematisch sind. Der TI-Messenger könnte hier eine sichere, effiziente Alternative schaffen.

Konkrete Szenarien für die Pflege:

  • Schnelle Rückfragen an die verordnende Arztpraxis, wenn ein Rezept unklar ist oder eine Dosierung bestätigt werden muss
  • Koordination mit Apotheken bei Lieferengpässen oder Medikamentenwechseln
  • Abstimmung mit Therapeuten über Behandlungspläne und Terminänderungen
  • Übergangskommunikation bei Krankenhausentlassungen, wenn zeitkritische Informationen an die weiterversorgende Pflegeeinrichtung übermittelt werden müssen

Für Pflegeeinrichtungen, die bereits an die Telematikinfrastruktur angebunden sind und über eine SMC-B verfügen, wird der Einstieg in den TI-Messenger vergleichsweise unkompliziert sein. Die bestehende TI-Anbindung bildet die technische Grundlage; es wird voraussichtlich ein zusätzlicher Dienst aktiviert, ähnlich wie bei der Einrichtung von KIM.

Was Pflegeeinrichtungen jetzt tun können:

  • Sicherstellen, dass die TI-Anbindung funktioniert und die SMC-B gültig ist
  • KIM als ersten sicheren Kommunikationsdienst einrichten und nutzen, um Erfahrung mit TI-Diensten zu sammeln
  • Die Entwicklungen rund um den TI-Messenger verfolgen und den eigenen IT-Dienstleister frühzeitig einbinden
  • Intern klären, welche Kommunikationsprozesse von einem Messenger-Dienst profitieren würden

Häufige Fragen zum TI-Messenger

Der TI-Messenger hat das Potenzial, die Kommunikation im Gesundheitswesen erheblich zu verbessern, auch und gerade in der Pflege. Gleichzeitig befindet sich der Dienst noch in einer frühen Phase. Pflegeeinrichtungen, die bereits eine funktionierende TI-Anbindung und KIM im Einsatz haben, sind für den Übergang gut vorbereitet. Bis der TI-Messenger tatsächlich im Pflegealltag angekommen ist, bleibt KIM der zentrale sichere Kommunikationskanal innerhalb der Telematikinfrastruktur.