eRezept
Wissenswertes

eRezept im Pflegedienst: So läuft der digitale Workflow.

16.02.2026|5 Minuten
Praxisorganisation & AbläufeTechnologie & Standards

Das eRezept verändert den Umgang mit Verordnungen in der Pflege grundlegend. Dieser Artikel erklärt den neuen digitalen Workflow, vom Empfang über die Verarbeitung bis zur Einlösung, und zeigt, was sich im Pflegealltag konkret ändert.

Verordnungen auf Papier entgegennehmen, zur Apotheke bringen, Rückfragen telefonisch klären: dieser Ablauf gehört in vielen Pflegediensten noch zum Alltag. Mit dem ändert sich dieser Prozess grundlegend. Verordnungen werden digital ausgestellt, übermittelt und eingelöst. Ohne Papier. Ohne Umwege. Doch was bedeutet das konkret für den Pflegealltag? Dieser Artikel beschreibt den neuen digitalen Workflow Schritt für Schritt und zeigt, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

Vom Papierrezept zum eRezept

Im bisherigen Ablauf erhielten Pflegekräfte ein rosa Rezept vom Arzt, entweder direkt in der Praxis oder per Post. Dieses Rezept musste physisch zur Apotheke gebracht werden, oft mit Verzögerungen durch Wochenenden, Feiertage oder schlicht fehlende Transportwege. Ging ein Rezept verloren oder war unleserlich, begann der Prozess von vorn.

Mit dem eRezept entfällt der Papierweg vollständig. Die ärztliche Praxis stellt die Verordnung digital aus und speichert sie auf dem zentralen eRezept-Fachdienst der (TI). Der Pflegedienst kann die Verordnung direkt digital empfangen und an die Apotheke weiterleiten. Der gesamte Vorgang dauert Minuten statt Tage.

Für Pflegedienste, die regelmäßig Medikamente für betreute Personen koordinieren, bedeutet das: weniger Fahrten, weniger Telefonate, schnellere Verfügbarkeit der Arzneimittel und deutlich weniger Fehlerquellen.

Der digitale Workflow im Detail

Der typische eRezept-Workflow im Pflegedienst lässt sich in drei Phasen unterteilen:

1. Empfang der Verordnung

  • Der behandelnde Arzt stellt das eRezept über sein aus.
  • Die Verordnung wird auf demeRezept-Fachdienstder Telematikinfrastruktur (TI) gespeichert.
  • Hat die betreute Person dem Pflegedienst eineVertretungsberechtigungerteilt, kann der Pflegedienst das eRezept direkt abrufen.
  • Alternativ übermittelt der Arzt denToken(Zugangscode zum Rezept) sicher über(Kommunikation im Medizinwesen) an den Pflegedienst.

2. Verarbeitung im Pflegedienst

  • Die zuständige Pflegefachkraft öffnet das eRezept in derPflegesoftware.
  • Die Verordnung wird geprüft: Medikament, Dosierung, Patientendaten.
  • Bei Unstimmigkeiten kann überKIMdirekt eine Rückfrage an die Praxis gestellt werden. Ohne Telefonate oder lange Wartezeiten.
  • Die Pflegesoftware dokumentiert den Vorgang automatisch und ordnet das Rezept der betreuten Person zu.

3. Einlösung bei der Apotheke

  • Der Pflegedienst weist das eRezept digital einer gewünschten Apotheke zu. Direkt aus der Pflegesoftware.
  • Die Apotheke erhält die Verordnung sofort, kann das Medikament vorbereiten und ggf. per Botendienst liefern oder zur Abholung bereitstellen.
  • Patienten können das Rezept auch selbst einlösen, entweder:
    • Mit der Versichertenkarte ()in der Apotheke, oder
    • Per QR-Code, z. B. aus der eRezept-App, der in der Apotheke gescannt wird.
  • Der gesamte Vorgang ist lückenlos dokumentiert.

Technische Voraussetzungen

Damit der digitale eRezept-Workflow funktioniert, müssen bestimmte technische Voraussetzungen erfüllt sein:

  • (Institutionskarte): Diese Karte identifiziert den Pflegedienst als Organisation innerhalb der Telematikinfrastruktur. Sie ist die Grundvoraussetzung für den Zugang zur TI und damit für den Empfang und die Weiterleitung von eRezepten.
  • (elektronischer Heilberufsausweis): Der eHBA ist der persönliche Ausweis für Pflegefachkräfte. Er wird für bestimmte qualifizierte Signaturen und Zugriffe benötigt. Etwa dann, wenn eine Pflegefachkraft im Namen der betreuten Person ein eRezept abrufen möchte.
  • TI-Anbindung: Der Pflegedienst benötigt einen aktiven Zugang zur Telematikinfrastruktur. Entweder über einen , über eine TI-as-a-Service-Lösung () oder ein . Ohne TI-Anbindung ist kein Zugriff auf den eRezept-Fachdienst möglich.
  • Kompatible Pflegesoftware: Die eingesetzte Software muss das eRezept unterstützen, also eRezepte empfangen, anzeigen und an Apotheken zuweisen können. Nicht jede Pflegesoftware bietet diese Funktion bereits. Es lohnt sich, frühzeitig den Funktionsumfang mit dem Softwareanbieter zu klären.

Detaillierte Informationen zur Beantragung der notwendigen Karten finden Sie im Artikel eHBA und SMC-B beantragen: So funktioniert es.

Koordination mit Ärzten und Apotheken

Das eRezept verändert nicht nur interne Abläufe, sondern auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern. Die wichtigsten Veränderungen im Überblick:

Kommunikation mit der Arztpraxis: Rezeptanforderungen können über KIM direkt aus der Pflegesoftware an die Arztpraxis gesendet werden. Der Arzt stellt das eRezept aus, und der Pflegedienst erhält es digital, ohne dass jemand persönlich in der Praxis erscheinen muss. Auch Rückfragen zu Dosierungen oder Wirkstoffen lassen sich über diesen sicheren Kommunikationsweg klären.

Zusammenarbeit mit der Apotheke: Statt Papierrezepte physisch abzugeben, weist der Pflegedienst das eRezept digital der Apotheke zu. Die Apotheke kann sofort mit der Bearbeitung beginnen. Gerade bei regelmäßigen Versorgungsbeziehungen, etwa mit einer Stammapotheke, lässt sich dieser Prozess stark standardisieren. Lieferungen können besser geplant, Engpässe schneller kommuniziert werden.

Vertretungsberechtigung: Ein zentraler Aspekt ist die Vertretungsberechtigung. Pflegedienste handeln in der Regel im Auftrag der betreuten Person. Damit der Pflegedienst eRezepte abrufen und einlösen darf, muss eine entsprechende Berechtigung vorliegen. Diese wird digital hinterlegt und ermöglicht es, Rezepte ohne physische Gesundheitskarte der betreuten Person zu verarbeiten.

Was sich im Pflegealltag konkret ändert

Für die einzelne Pflegefachkraft ergeben sich im Tagesablauf spürbare Veränderungen:

  • Rezepte werden nicht mehr abgeholt oder entgegengenommen, sondern in der Software abgerufen.
  • Die Prüfung der Verordnung erfolgt digital, mit automatischer Zuordnung zur betreuten Person.
  • Rückfragen an den Arzt gehen über KIM statt per Telefon.
  • Die Einlösung bei der Apotheke erfolgt per Zuweisung aus der Software, kein Papier, kein Botendienst für Rezepte.
  • Die Dokumentation wird automatisch mitgeführt, was den Verwaltungsaufwand deutlich reduziert.

Gleichzeitig erfordert der neue Workflow ein grundlegendes Verständnis der digitalen Abläufe. Pflegekräfte sollten im Umgang mit der Pflegesoftware geschult sein und wissen, wie sie eRezepte abrufen, prüfen und zuweisen. Die Umstellung ist kein einmaliger Vorgang, sondern ein Lernprozess, der durch regelmäßige Schulungen begleitet werden sollte.

Häufige Fragen zum eRezept in der Pflege

Das eRezept ist mehr als ein digitales Rezeptformat. Es verändert die Art und Weise, wie Pflegedienste mit Verordnungen arbeiten. Der Weg vom Papier zum digitalen Workflow erfordert Vorbereitung, bietet aber erhebliche Vorteile im Alltag: schnellere Abläufe, weniger Fehler und eine engere Vernetzung mit Arztpraxen und Apotheken. Entscheidend ist, die technischen Grundlagen rechtzeitig zu schaffen und das Team auf den neuen Ablauf vorzubereiten.