Telematik Infrastruktur Leitfaden
Wissenswertes

TI für Pflegeeinrichtungen: Der komplette Leitfaden.

27.02.2026|4 Minuten
Checklisten & LeitfädenTechnologie & Standards

Alles, was Pflegeeinrichtungen über die Telematikinfrastruktur wissen müssen: Pflichtkomponenten, Anbindungsoptionen, digitale Anwendungen und konkrete Handlungsschritte für ambulante und stationäre Einrichtungen.

Die (TI) vernetzt alle Akteure im deutschen Gesundheitswesen über ein sicheres digitales Netzwerk. Für Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste, stationäre Pflegeheime und Komplexträger, ist die Anbindung an die TI gesetzlich verpflichtend. Dieser Leitfaden erklärt, welche Komponenten benötigt werden, welche Anbindungsoptionen existieren und wie der Einstieg konkret gelingt.

Was ist die Telematikinfrastruktur?

Die TI ist das zentrale digitale Netzwerk des deutschen Gesundheitswesens. Sie wurde von der entwickelt und ermöglicht den sicheren Austausch von Gesundheitsdaten zwischen Arztpraxen, Krankenhäusern, Apotheken, Krankenkassen und Pflegeeinrichtungen. Über die TI laufen Anwendungen wie die (ePA), (Kommunikation im Medizinwesen) und das .

Anders als das allgemeine Internet ist die TI ein geschlossenes, verschlüsseltes Netzwerk. Nur authentifizierte Teilnehmer mit gültigen Karten und Zertifikaten erhalten Zugang. Das schützt sensible Gesundheitsdaten gemäß den strengen Anforderungen der DSGVO und des BSI.

Warum ist die TI für Pflegeeinrichtungen Pflicht?

Mit dem Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) und weiteren Regelungen in § 312 SGB V wurden Pflegeeinrichtungen verpflichtet, sich an die TI anzubinden. Die Pflicht betrifft sowohl ambulante Pflegedienste als auch stationäre Pflegeheime. Ziel ist es, die Pflege vollständig in den digitalen Datenaustausch des Gesundheitswesens einzubinden.

Die konkreten Fristen wurden mehrfach angepasst. Nach aktuellem Planungsstand (Stand: Februar 2026) sollten Pflegeeinrichtungen die Anbindung nicht weiter aufschieben, da die technischen Voraussetzungen geschaffen sind und die Refinanzierung zeitlich begrenzt sein kann.

Welche Komponenten werden benötigt?

Für die TI-Anbindung benötigt jede Pflegeeinrichtung folgende Komponenten:

(SMC-B)

Die SMC-B identifiziert die Einrichtung innerhalb der TI. Pro wird mindestens eine SMC-B benötigt. Sie wird bei zugelassenen Kartenherausgebern beantragt.

(eHBA)

Der eHBA ist der persönliche Ausweis für Pflegefachkräfte. Er wird für qualifizierte elektronische Signaturen benötigt, etwa beim Signieren von Dokumenten in der ePA.

TI-Anbindung: , Gateway oder

Die technische Verbindung zur TI erfolgt über eine von drei Optionen: einen klassischen TI-Konnektor (Hardware vor Ort), ein (zentral gehostete Lösung) oder TIaaS (vollständiger Cloud-Dienst). Der klassische Konnektor wird zunehmend abgelöst.

Ein Kartenlesegerät (eHealth-Kartenterminal) wird zum Einlesen der SMC-B, des eHBA und der elektronischen Gesundheitskarten () der Versicherten benötigt. Je nach Einrichtungsgröße können mehrere Geräte erforderlich sein.

KIM-Adresse

Für die sichere Kommunikation über KIM benötigt jede Einrichtung mindestens eine KIM-Adresse. Darüber werden Pflegeberichte, Verordnungen und andere Dokumente verschlüsselt an Ärzte, Apotheken und Krankenkassen versendet.

Digitale Anwendungen über die TI

Mit der TI-Anbindung stehen Pflegeeinrichtungen mehrere digitale Anwendungen zur Verfügung:

  • ePA: Zugriff auf Diagnosen, Medikationspläne, Pflegeberichte und Arztbriefe. Pflegeeinrichtungen können Dokumente lesen und eigene Pflegeberichte einstellen.
  • KIM: Verschlüsselte Kommunikation mit allen TI-Teilnehmern. Ersetzt Fax und unverschlüsselte E-Mails für den Austausch medizinischer Dokumente.
  • eRezept: Digitale Verordnungen empfangen und an Apotheken weiterleiten, ohne Papierrezepte transportieren zu müssen.
  • : Versichertenstammdaten online prüfen und aktualisieren.

Ambulant vs. stationär: Unterschiede bei der TI-Anbindung

Die Grundkomponenten sind identisch, doch die Skalierung unterscheidet sich erheblich:

Ambulante Pflegedienste arbeiten typischerweise mit einer IK-Nummer, einem Standort und einer überschaubaren Zahl an Pflegefachkräften. In der Regel genügen eine SMC-B, ein bis zwei eHBAs und ein Kartenlesegerät. Die Anbindung über ein TI-Gateway oder TIaaS ist oft die praktischste Lösung, da kein lokaler Server benötigt wird.

Stationäre Pflegeeinrichtungen und Komplexträger haben höhere Anforderungen: mehrere Wohnbereiche oder Standorte, mehrere IK-Nummern, eine größere Zahl an Pflegefachkräften mit eHBAs und entsprechend mehr Kartenlesegeräte. Die Netzwerkplanung und die Wahl der Anbindung sind hier komplexer.

Kosten und Refinanzierung

Die TI-Anbindung verursacht Kosten für Erstausstattung (Karten, Anbindung, Kartenlesegeräte) und laufenden Betrieb (KIM-Dienst, Wartung, Updates). Ein erheblicher Teil dieser Kosten kann über die und laufende Betriebskostenpauschalen refinanziert werden.

Nächste Schritte: So starten Sie

Der Einstieg in die TI beginnt mit der Beantragung der Karten, da deren Bearbeitung mehrere Wochen dauern kann. Parallel dazu sollte die passende Anbindungsoption gewählt und die auf TI-Kompatibilität geprüft werden.


Die TI-Anbindung ist für Pflegeeinrichtungen kein optionales Digitalisierungsprojekt, sondern eine gesetzliche Pflicht mit konkretem Nutzen. Der Aufwand ist überschaubar, wenn die Schritte systematisch abgearbeitet werden. Mit den richtigen Komponenten und einer TI-fähigen Pflegesoftware profitieren Einrichtungen von effizienterer Kommunikation, besserem Informationszugang und zukunftssicheren Arbeitsabläufen.